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Seelsorge 

ganz einfach und doch so komplex

 

„Sag mal, Iris, wie lang sind denn bei euch die Wochenenden?“ fragte mich Olaf Kormannshaus aus dem Oliver_Kor_senkrecht 

Institut für Seelsorge und Psychologie Elstal in der Vorbereitung des Wochenend-Seminars zum Thema Seelsorge vom 24.-26.4.2015 in unserer Gemeinde (EFG Straubing – Friedenskirche). So umfangreich waren die Fragen und Wünsche zum Thema bereits im Vorfeld. So kamen dann auch aus unserer Gemeinde 22 interessierte Männer und Frauen und drei weitere Frauen aus anderen Gemeinden.

Olaf brachte uns zu Beginn des Wochenendes die biblische Sicht von Seelsorge – ein Wort, das in der Bibel allerdings nicht vorkommt – näher. Das hebräische Wort „näphäsch“ kann mit sieben Bedeutungen übersetzt werden, eines davon ist das deutsche Wort „Seele“. Seele im biblischen Sinn meint immer den ganzen Menschen, als sehnsüchtigen, bedürftigen und empfindsamen Menschen – so wurde er geschaffen. Das griechische Wort „parakléo“ – das Wort, das der Seelsorge nahe kommt im Neuen Testament – kann mit ermutigen und mit ermahnen übersetzt werden, was auch die beiden Pfeiler der Seelsorge ausmachen sollen.

Seelsorge beginnt bereits im anteilnehmenden Gespräch zwischen Christen, im Hauskreis, am Küchentisch und am Telefon. Sie kann auch erheblich weiter gehen, einem Menschen ein Stück seines Lebensweges begleiten und soll dabei auf Augenhöhe bleiben.

„Seelsorge ist die Kunst, ganz da zu sein“.

Nach dem interessanten theoretischen Teil folgten Übungen und Gruppenarbeiten, in denen wir zum einen versuchten, uns in die verschiedenen Situationen hineinzudenken und zum anderen ganz praktisch Gesprächssituationen „probten“ und dann auswerteten.

Wie fühlt sich jemand, der um Seelsorge bittet? Wie geht es einem Seelsorger dabei? Wie komme ich mit dem anderen in Kontakt und wie sollten wir den äußeren Rahmen gestalten? Was könnten Themen eines Gesprächs sein und wie komme ich auf ein realistisches Ziel? Wo sind die Grenzen meiner Kompetenz und wie gehe ich damit um? Wie bete ich in der Seelsorge?

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Einen Menschen ansprechen, trösten, fördern, aber auch fordern, Grenzen setzen, Konsequenzen aufzeigen, ihn ins Leben schicken. Anteil nehmen am Leid des anderen, aber dabei auch als Seelsorger die eigene Person wahrnehmen. An Jesus sehen, wie er auf Menschen zugeht, ihnen Verantwortung für ihr Leben gibt und dabei mit dem Herzen dabei ist.

Wie bereits befürchtet konnten wir trotz unseres steilen Zeitplanes nicht alle unsere Wünsche für das Wochenende umsetzen, aber Olaf konnte aus seiner reichen Erfahrung – die auch nicht ohne Misserfolge ablief – viele Anregungen geben, die uns sicherer machen im Umgang mit dem anderen.

Seelsorge ist eigentlich ganz einfach, ich gebe dem anderen einen Teil meiner Zeit, meiner Aufmerksamkeit und meiner Anteilnahme. Und dann ist Seelsorge unheimlich komplex, es gibt keine schnelle Lösung, sie muss im miteinander umgehen und aneinander wachsen erarbeitet werden. – So das Fazit der Teilnehmer aus dem wertvollen Wochenende.

Iris Dürre Bernardo

 

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